Übersicht
Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 – Normen, Tools und Software im Überblick
Estimated reading time: 26 Minuten
Eine präzise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ist eine häufige Grundlage für jede wirtschaftliche und normkonforme Auslegung von Wärmeversorgungsanlagen. Wer ein Heizsystem überdimensioniert, zahlt nicht nur höhere Investitionskosten – er riskiert auch Betriebsprobleme wie häufiges Takten bei Wärmepumpen. Wer zu knapp plant, kann die gewünschte Raumtemperatur nicht halten und steht vor teuren Nachrüstungen.
Dieser Artikel richtet sich an Planer und Energieberater und begleitet sie vom ersten Überblick bis zur fertigen Anlagensimulation. Er erläutert, was die Norm DIN EN 12831 fordert und welche Konsequenzen eine fehlerhafte Berechnung hat. Anschliessend werden Online-Tools für die frühe Planungsphase vorgestellt – darunter der Heizlastrechner BWP des Bundesverbands Wärmepumpe als eine der meistgenutzten Schnelllösungen im DACH-Raum. Für normkonforme Nachweise und grössere Objekte folgt ein Überblick über die 13 gängigsten professionellen Heizlastberechnung-Softwarelösungen mit ihren jeweiligen Einsatzgebieten und Exportmöglichkeiten. Abschliessend wird gezeigt, wie sich die ermittelten Heizlastwerte in eine dynamische Anlagensimulation überführen lassen – und warum dieser Schritt die installierte Nennleistung um bis zu 40 % reduzieren kann.
Inhaltsverzeichnis
- Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 – Grundlagen und Methode
- Fehler bei der Heizlastberechnung und ihre Folgen
- Heizlastrechner online – Tools für die frühe Planungsphase
- Heizlastberechnung Software – Die Top 13 – Lösungen im Vergleich
- Dynamische Gebäudesimulation als Ergänzung zur Heizlastberechnung
- Von der Heizlastberechnung zur optimalen Anlagenauslegung
- FAQ
Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 – Grundlagen und Methode

Die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 beantwortet eine zentrale Frage der Anlagenplanung: Welche maximale Leistung muss die Heizung am kältesten Tag liefern, um die gewünschte Raumtemperatur zu halten? Die Norm-Heizlast (Φ_HL) ergibt sich aus der Summe von drei Komponenten.
Die Transmissionswärmeverluste (Φ_T) erfassen den Wärmestrom durch Wände, Fenster, Türen, Dach und Bodenplatte – abhängig von U-Werten, Bauteilfläche und Temperaturdifferenz gegenüber Aussenklima, Erdreich oder unbeheizten Nachbarräumen.
Die Lüftungswärmeverluste (Φ_V) beschreiben die Energie, die durch Infiltration und mechanische Lüftung verloren geht; bei kontrollierter Wohnraumlüftung fliesst der Wärmerückgewinn mindernd in die Bilanz ein.
Hinzu kommt die zusätzliche Aufheizleistung (Φ_RH) als Reserve für unterbrochenen Heizbetrieb und das Aufheizen nach Nachtabsenkung.
Heizlast und Heizwärmebedarf – ein wichtiger Unterschied
Die Heizlast (kW) ist eine Spitzenleistung für den Norm-Auslegungsfall. Der Heizwärmebedarf Q_h (kWh/a) dagegen beschreibt den tatsächlichen Energiebedarf über ein typisches Jahr und berücksichtigt zusätzlich Nutzerverhalten, interne und solare Wärmegewinne sowie das lokale Klima – und bildet damit die Grundlage für Wirtschaftlichkeits- und Energiebedarfsanalysen.

Fehler bei der Heizlastberechnung und ihre Folgen
Zur präzisen Heizlastberechnung steht Ingenieuren die Norm DIN EN 12831 zur Verfügung. Diese Norm ist das in Europa geltende Normverfahren zur Ermittlung der Norm-Heizlast für Gebäude und deren einzelne Räume. In Österreich gilt zusätzlich die ÖNORM H 7500-1, in der Schweiz die SIA 384/2:2020 – beide sind inhaltlich eng an EN 12831 angelehnt. Die Einhaltung dieser Normen stellt sicher, dass die Heizlast korrekt berechnet wird, bietet Planern rechtliche Sicherheit und dient als Unterlage für Förderbeiträge und Energieausweise.
Welche Folgen hat ein Fehler bei der Heizlastberechnung?
Eine zu hoch angesetzte Heizlast führt zu einer Überdimensionierung der Wärmeerzeugung, bspw. der Wärmepumpe, und somit zu höheren Investitionskosten. Abgesehen von den Kosten kann eine zu hoch berechnete Heizlast auch Probleme beim Betrieb der Wärmepumpe verursachen, insbesondere häufigeres Takten. Dadurch verschlechtert sich der Wirkungsgrad der Anlage, da die Wärmepumpe immer wieder ein- und ausgeschaltet werden muss. Eine zu niedrig berechnete Heizlast kann ebenfalls zu Problemen während des Betriebs der Anlage führen. Wenn die Heizlast unterschätzt wird, kann die Raumtemperatur nicht auf dem gewünschten Temperaturniveau gehalten werden, was zu teuren Nachrüstungskosten führt. Eine präziese Auslegung der Anlagen auf den Heizwärmebedarf und die Spitzenlastabdeckung ist also wichtig für den optimalen Betrieb und Langlebigkeit der Anlage. Gerade bei grösseren Anlagen lohnt es sich hier während der Planung ins Detail zu gehen.
Heizlastrechner online – Tools für die frühe Planungsphase
Online-Heizlastrechner richten sich an ein breites Publikum – von Hausbesitzern und Bauherren bis hin zu Fachplanern, die eine schnelle Ersteinschätzung benötigen. Im Vergleich zu professioneller Heizlastberechnung-Software liefern sie jedoch nur eine vereinfachte Berechnung. Das komplexe thermische Verhalten eines Gebäudes lässt sich mit diesen Methoden nur eingeschränkt abbilden – für grössere Projekte wie Mehrfamilienhäuser, Krankenhäuser, Gewerbegebäude oder industrielle Bauten sind sie daher nicht geeignet. In der frühen Planungsphase und bei kleineren Objekten wie Einfamilienhäusern bieten sie jedoch eine wertvolle Einstiegshilfe für eine erste Grössenordnung.
1. BWP Heizlastrechner (Bundesverband Wärmepumpe)
Land: DE | Link: https://www.waermepumpe.de/werkzeuge/heizlastrechner/
Der Heizlastrechner BWP des Bundesverbands Wärmepumpe ist eines der meistgenutzten Online-Werkzeuge im DACH-Raum. Er liefert eine Abschätzung der Gebäudeheizlast inklusive Trinkwarmwasserbedarf für Einfamilien- und kleinere Mehrfamilienhäuser. Die ermittelten Werte – Jahresheizwärmebedarf (kWh/a) und Heizlast (kW) – können anschliessend manuell in die Anlagensimulation zur Variantenbildung übertragen werden.
Normbezug: Vereinfachtes Verfahren, an DIN EN 12831 angelehnt; nicht für Prüfnachweise geeignet.
2. Heizreport
Land: DE | Link: https://heiz.report/
heizreport.de ermöglicht eine Online-Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 direkt im Browser – für Hauseigentümer, Handwerker und Fachplaner gleichermassen. Der Einstieg erfolgt über einen kostenlosen Wärmepumpen-Check; der vollständige heizreportKOMPLETT umfasst neben der Heizlastberechnung auch den hydraulischen Abgleich und die Heizflächenauslegung. Das Tool eignet sich ausschliesslich für Bestandsgebäude – im Neubau ist das vereinfachte Verfahren normativ nicht zulässig. Die ermittelten Werte sind für BAFA- und KfW-Förderanträge geeignet.
Normbezug: DIN EN 12831, vereinfachtes Verfahren für Bestandsgebäude; förderfähig (BAFA/KfW).
3. Energieinstitut Vorarlberg – Heizleistungsrechner
Land: AT | Link: https://www.energieinstitut.at/tools/heizleistungsrechner
Dieses Tool erfordert detaillierte Eingaben zu Abmessungen und U-Werten pro Raum und liegt damit methodisch zwischen einem reinen Schätzrechner und einer vollwertigen Heizlastsoftware. Für kleinere Objekte und Schnellabschätzungen liefert es gut verwendbare kW-Werte. Die ermittelten Werte – Jahresheizwärmebedarf (kWh/a) und Heizlast (kW) – können anschliessend manuell in die Anlagensimulation zur Variantenbildung übertragen werden.
4. Elitec Heizlastrechner „elismart“
Land: AT | Link: https://www.elitec.at/heizlastrechner
Der elismart-Rechner fragt Baualtersklasse, Effizienzklasse und geometrische Abmessungen ab und eignet sich besonders für Bestandssanierungen in Österreich. Die ermittelten Werte – Jahresheizwärmebedarf (kWh/a) und Heizlast (kW) – können anschliessend manuell in die Anlagensimulation zur Variantenbildung übertragen werden.
Normbezug: Vereinfachtes Verfahren auf Basis ÖNORM H 7500 und DIN EN 12831.
5. suissetec WPSM Web App
Land: CH | Link: https://suissetec.ch/de/news-detail/web-app-heizungsersatz-mit-waermepumpen.html
Die Web App des Schweizerischen Gebäudetechnikverbands suissetec zur Berechnung des Heizleistungsbedarfs ist Teil des Wärmepumpen-System-Moduls (WPSM) – dem anerkannten Schweizer Standard für die Planung von Wärmepumpenanlagen bis 15 kW bei Sanierung und Neubau. Die Nutzung des WPSM und die anschliessende Qualitätssicherung sind in vielen Kantonen Voraussetzung für die Auszahlung von Fördergeldern.
Normbezug: WPSM-Methodik, angelehnt an SIA 384/2; für Wärmepumpenanlagen bis 15 kW Heizleistung.
Hinweis: Online-Portale ersetzen keine normative Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 für Förderanträge, KfW-Nachweise oder öffentliche Ausschreibungen.
Heizlastberechnung Software – Die Top 13 – Lösungen im Vergleich
Für die normkonforme Auslegung von Mehrfamilienhäusern, Gewerbebauten oder förderrelevanten Projekten reichen Online-Rechner nicht aus. Grundsätzlich lässt sich die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 auch manuell – etwa in einer Excel-Tabelle – durchführen. In der Praxis ist dieser Weg jedoch aufwendig. Für alle Projekte, bei denen Nachweisdokumente für Energieausweise, KfW- oder BAFA-Förderanträge erforderlich sind, empfiehlt sich daher der Einsatz professioneller Heizlastberechnung-Software. Diese berechnet die Norm-Heizlast raumweise nach dem vollständigen Verfahren der DIN EN 12831 – respektive SIA 384/2 in der Schweiz und ÖNORM H 7500 in Österreich – und erstellt die erforderlichen Nachweisdokumente automatisch.
Die einzelnen Programme unterscheiden sich in drei wesentlichen Punkten: erstens im primären Einsatzland und dem jeweiligen Normbezug, zweitens in den unterstützten Energieausweisen und der erstellbaren Förderdokumentation und drittens in den verfügbaren Zusatzfunktionen. Je nach Projektanforderung können das eine integrierte Kühllastberechnung, eine Rohrnetzauslegung, ein hydraulischer Abgleich oder eine BIM-Integration sein.
Die folgende Tabelle gibt einen strukturierten Überblick über alle 13 Lösungen mit ihrem primären Einsatzland und Normbezug. Die detaillierten Beschreibungen mit Exportformaten und Übergabewegen folgen im Anschluss.
| Software | Land | Norm | Hauptausgabe für Polysun |
|---|
Heizlastberechnung Software: Top 13 im Detail
Die folgenden Kurzbeschreibungen nennen zu jeder Heizlastberechnung-Software die Website, den Normbezug, die Exportformate und den konkreten Weg, wie Heizlast und Heizwärmebedarf in für die Anlagesimulation verwendet werden können.
1. Hottgenroth
Website: https://www.hottgenroth.de/heizlastsoftware/
Normkonformität: DIN EN 12831 (inkl. nationales Anwendungsdokument), GEG / EnEV
Hottgenroth ist eine der verbreitetsten Heizlastsoftware-Familien im Handwerk und in kleinen bis mittleren Planungsbüros in Deutschland. Die Software deckt Heizlast, Energieausweis und Nachweise in einem durchgängigen Workflow ab und enthält eine umfangreiche Hersteller-Datenbank für Heizkörper, Flächenheizungen und Wärmepumpen. Für Sanierungsprojekte mit Förderbezug steht ergänzend das Modul Optimus zur Verfügung, das eine vereinfachte Heizlastberechnung nach Verfahren B sowie den hydraulischen Abgleich für BAFA-Nachweise abdeckt.
Export aus der Software: Projektausdruck als PDF mit Norm-Heizlast, Raumliste und Gesamtgebäudewert; Export als XML oder CSV möglich. Ein stündlicher Energieprofil-Export steht nicht zur Verfügung.
Übergabe in die Anlagensimulation: Heizlast (kW) und Heizwärmebedarf (kWh/a) werden manuell in die Anlagensimulation übertragen, die daraus über das Heizgradtage-Modell ein stündliches Lastprofil erzeugt. Hottgenroth wird typischerweise für Standardfälle mit einfachen Hydrauliken eingesetzt– also Projekte mit einer Wärmepumpe und überschaubarer Systemstruktur. Ab einer Gebäudeheizlast von rund 50 kW oder bei Anlagen mit mehreren Wärmeerzeugern, Kaskadenschaltungen oder komplexen Speicherkonzepten empfiehlt sich ergänzend eine Anlagensimulation. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Steuerung und alle Komponenten – Wärmepumpengrösse, Pufferspeicher, Hydraulik – optimal aufeinander abgestimmt sind und Taktprobleme oder Überdimensionierungen vermieden werden.
2. Solar-Computer
Website: https://www.solar-computer.de/
Normkonformität: DIN EN 12831 (alle Teile), DIN V 18599, VDI 2078 (Kühllast)
Solar-Computer wird in vielen Ingenieurbüros und TGA-Planungen in Deutschland eingesetzt. Die modular aufgebaute Software integriert Heizlast, Kühllast, Energieausweise und Rohrnetz in einer durchgängigen Umgebung und lässt sich optional mit CAD- und BIM-Workflows verbinden. Über das Modul DIN V 18599 stehen zudem monatliche Energiebilanzen zur Verfügung, die als Grundlage für weiterführende Berechnungen dienen.
Export aus der Software: Strukturierte Projektausgaben als PDF-Nachweise sowie Datenexport (XLSX, CSV) je Raum und Gesamtobjekt. Ein direkter stündlicher Energieprofil-Export steht nicht zur Verfügung; für Profilübergaben empfiehlt sich die Kombination mit einem DIN V 18599-Stundenprofil.
Übergabe in die Anlagensimulation: Gesamtheizlast (kW) und Jahres-Heizwärmebedarf (kWh/a) werden manuell in die Anlagensimulation übertragen. Solar-Computer wird in Planungsbüros typischerweise für Standardprojekte mit einfacher Hydraulik eingesetzt – also Anlagen mit einem Wärmeerzeuger und überschaubarer Systemstruktur.
3. liNear (Revit / AutoCAD)
Website: https://www.linear.eu/de/software/loesungen-fuer-autodesk-revit/revit-heating/
Normkonformität: DIN EN 12831-1 / DIN/TS 12831-1, ÖNORM H 7500, SIA 384/2
liNear ist die führende BIM-integrierte Heizlastlösung für Autodesk Revit und AutoCAD. Die Software berechnet die Norm-Heizlast direkt aus dem Architekturmodell – Räume, Bauteile und Temperaturen werden automatisch übernommen, Modellierungsfehler des Architekten dabei geprüft und gemeldet. Der durchgängige Workflow reicht von der Konzeptphase über die Heizlastberechnung und Heizkörperauslegung bis zur Rohrnetzberechnung, ohne Daten manuell übertragen zu müssen. Das macht liNear besonders geeignet für Neubauten grösserer Mehrfamilienhäuser, Gewerbe- und Verwaltungsgebäude, bei denen das BIM-Modell bereits vorliegt.
Export aus der Software: Heizlastreport als PDF, raumweiser Datenexport über Revit Shared Parameters, IFC und Excel. Ein stündlicher Energieprofil-Export steht nicht zur Verfügung.
Übergabe in die Anlagensimulation: Gesamtgebäudeheizlast (kW) und Jahresbedarf (kWh/a) werden manuell in die Anlagensimulation übertragen. Da liNear typischerweise bei grösseren Projekten mit komplexen Gebäudestrukturen eingesetzt wird, ist hier die Schwelle zur ergänzenden Anlagensimulation besonders schnell erreicht: Bei Anlagen mit mehreren Wärmeerzeugern, Kaskadenschaltungen oder grossem Pufferspeichervolumen liefert erst die Anlagensimulation die nötige Sicherheit für eine wirtschaftliche Komponentenauslegung. Für Projekte, bei denen stündliche Lastprofile benötigt werden, empfiehlt sich der Weg über eine dynamische Gebäudesimulation wie IDA ICE oder EnergyPlus.
4. Trimble Plancal nova
Website: https://www.trimble.com/
Normkonformität: DIN EN 12831, SIA 384/2:2020, ÖNORM H 7500
Plancal nova ist die etablierte TGA-CAD-Komplettlösung für den DACH-Raum und deckt in einer einzigen Umgebung Heizlast, Kühllast, Rohrnetz, Lüftungskanalnetz, Trinkwasser und Abwasser ab. Besonders stark ist die Software bei der Gebäudeerfassung: Der integrierte Architekturassistent analysiert vorliegende DWG- oder DXF-Pläne automatisch, übernimmt Raumkonturen, Bezeichnungen und Raumnummern und weist U-Werte über die Wandstärke zu – was den Erfassungsaufwand gegenüber einer manuellen Dateneingabe erheblich reduziert. Die normübergreifende Unterstützung von CH, DE und AT macht Plancal nova besonders attraktiv für Planungsbüros, die in mehreren Ländern tätig sind.
Export aus der Software: Norm-Heizlastreport pro Raum und Gebäude als PDF; Datenaustausch über IFC, DWG und Excel. Ein stündlicher Energieprofil-Export ist nicht verfügbar.
Übergabe in die Anlagensimulation: Heizlast (kW) und Jahresbedarf (kWh/a) werden manuell übergeben. Plancal nova wird typischerweise für Projekte eingesetzt, bei denen die vollständige TGA-Planung – von der Heizlast bis zum Rohrnetz – in einer Umgebung erfolgen soll. Sobald die Anlage jedoch mehrere Wärmeerzeuger, komplexe Speicherkonzepte oder eine Heizlast ab rund 50 kW umfasst, stösst die integrierte Auslegung an ihre Grenzen.
5. ZUB Helena / E-CAD
Website: https://www.zub-systems.de/de/produkte/helena/heizlast
Normkonformität: ÖNORM H 7500, OIB-Richtlinien, DIN EN 12831
ZUB Helena ist eine in Deutschland und Österreich weit verbreitete Gesamtlösung für Energieausweise, Heizlastberechnung und Sanierungsberatung. Das Heizlast-Modul ist direkt in die GEG-Bilanz integriert – Bauteilgeometrien, U-Werte und Raumdaten werden aus der bestehenden Gebäudeeingabe übernommen, ohne dass Daten doppelt erfasst werden müssen. Ergänzend steht das CAD-Tool E-CAD für die grafische 3D-Gebäudeerfassung bereit, dessen Daten direkt nach ZUB Helena übergeben werden. Besonders stark ist die Software bei Sanierungsprojekten: Der integrierte individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP), der hydraulische Abgleich und die KfW/BAFA-Förderdokumentation sind in einem durchgängigen Workflow abgebildet.
Export aus der Software: Gebäudeenergiebilanz und Heizlastnachweis als PDF; raumweise Rohdaten als CSV/Excel. Ein stündlicher Energieprofil-Export steht nicht zur Verfügung.
Übergabe in die Anlagensimulation: Heizlast (kW) und Jahres-Heizwärmebedarf (kWh/a) werden manuell übergeben. ZUB Helena eignet sich besonders für Sanierungsprojekte im Wohn- und kleineren Nichtwohnbereich, bei denen Förderanträge und Energieausweis im Vordergrund stehen. Sobald die Anlage nach der Sanierung mehrere Wärmeerzeuger oder eine Heizlast ab rund 50 kW umfasst, lohnt sich eine ergänzende Anlagensimulation.
6. ETU Energieberater (Austria)
Website: https://shop.etu.at/
Normkonformität: ÖNORM B 8110, ÖNORM H 7500, OIB, DIN EN 12831 (kompatibel)
ETU Energieberater ist die behördlich anerkannte Standardlösung für Energieausweise und Heizlastberechnungen in Österreich. Anders als reine Heizlastsoftware deckt ETU den gesamten Beratungs- und Nachweisprozess ab – von der Bauphysik über den OIB-konformen Energieausweis bis zum Sanierungskonzept mit Fördernachweis. TGA-Planer profitieren dabei von der durchgängigen Datenübernahme innerhalb des ETU-Ökosystems: Ein einmal erfasstes Gebäudemodell steht für Heizlastberechnung, Heizkörperauslegung und Rohrnetzplanung gleichermassen zur Verfügung.
Export aus der Software: OIB-konformer Energieausweis, Heizlastnachweis als PDF; raumweiser Datenexport als CSV sowie Stücklisten per Direktexport. Ein stündlicher Energieprofil-Export steht nicht zur Verfügung.
Übergabe in die Anlagensimulation: Heizlast (kW) und Jahres-Heizwärmebedarf (kWh/a) werden manuell übergeben. ETU wird typischerweise bei österreichischen Wohn- und kleineren Gewerbeprojekten eingesetzt, bei denen OIB-Nachweise und Förderanträge im Vordergrund stehen. Bei Sanierungen, bei denen ein alter Gaskessel durch eine Wärmepumpe ersetzt wird, lohnt sich zusätzlich eine Anlagensimulation – sie zeigt, ob die neue Wärmepumpe im Teillastbetrieb effizient läuft und ob der bestehende Pufferspeicher ausreicht.
7. Enerweb / GEAK-Tools
Website: https://www.enerweb.ch/
Normkonformität: SIA 380/1:2016, SIA 384/2 (384.201), GEAK-Methodik, MuKEn 2014, Minergie
Enerweb ist die etablierte Schweizer Webapplikation für Energienachweise und Heizlastberechnungen. Die cloudbasierte Lösung deckt den vollständigen Schweizer Nachweisweg ab: von der SIA 380/1-Monatsbilanz über den GEAK / GEAK Plus bis zum Minergie-Nachweis – inklusive grafischer Flächenerfassung direkt in PDF-Plänen. Das integrierte Heizlastmodul nach SIA 384.201 erlaubt die raumweise Norm-Heizlast und ist direkt mit dem Wärmeabgabemodul für Heizkörper und Fussbodenheizungen verknüpft. Bemerkenswert: Enerweb befindet sich aktuell in der Entwicklung einer dynamischen Heiz- und Kühllastberechnung nach SIA 380/2:2022, die künftig stündliche Lastprofile direkt aus der Plattform liefern soll.
Export aus der Software: PDF-Nachweis, GEAK-Plus-Export als XML, monatliche und jährliche Bedarfswerte als CSV; Bauteilflächenexport nach Excel.
Übergabe in die Anlagensimulation: Die SIA 380/1-Monatsbilanz lässt sich direkt als monatlicher Heizwärmebedarf in die Anlagensimulation eingeben – ein besonders schlanker Übergabeweg, da keine Jahreswerte erst umgerechnet werden müssen. In Kombination mit der Heizlast (kW) aus SIA 384.201 erzeugen Heizgradtage- oder Gradstunden-Modell ein belastbares Stundenprofil. Auch hier gilt: Bei Projekten ab rund 50 kW oder mit mehreren Wärmeerzeugern lohnt sich eine ergänzende Anlagensimulation, um Pufferspeichergrösse und Wärmepumpenauslegung abzusichern.
8. PokornyTec Heizlast Austria
Website: https://www.pokorny-tec.at/software_produkte/heizlast-austria/
Normkonformität: ÖNORM H 7500, ÖNORM EN 12831-1, ÖNORM H 12831-1; automatische Klimadaten österreichischer Orte
PokornyTec ist ein österreichischer Familienbetrieb mit einer besonderen Qualifikation: Das Unternehmen leitet den österreichischen Heizlast-Normungsausschuss und arbeitet aktiv an der europäischen Heizlastnormung mit – die Software ist damit per Definition immer auf dem aktuellsten Normenstand. Das Produkt positioniert sich bewusst als einfach zu bedienende Lösung, die auch ohne Schulung von Handwerkern und Planern eingesetzt werden kann und eine vollständige Gebäudeheizlast ab rund 20 Minuten ermöglicht. Optional ist die Kombination mit der Kühllast-Software H6040 erhältlich, die Heizlast und Kühllast in einer gemeinsamen Programmoberfläche berechnet.
Export aus der Software: PDF-Heizlastbericht als behördlich anerkannter Nachweis; raumweiser Datenexport nach Excel. Ein stündlicher Energieprofil-Export steht nicht zur Verfügung.
Übergabe in die Anlagensimulation: Heizlast (kW) und der aus dem ÖNORM-Nachweis abgeleitete Jahres-Heizwärmebedarf (kWh/a) werden manuell übergeben. Heizgradtage- oder Gradstunden-Modell erzeugen daraus das stündliche Lastprofil. PokornyTec eignet sich besonders für kleinere bis mittlere österreichische Projekte, bei denen ein behördlich anerkannter Nachweis mit minimalem Aufwand erstellt werden muss.
9. Autarc App
Website: https://www.autarc.energy/ch/produkte/heizlastberechnung
Normkonformität: DIN EN 12831 (KfW-geeignete Reports), ÖNORM
Autarc ist eine feldtaugliche Lösung und richtet sich primär an Handwerksbetriebe und Wärmepumpeninstalleure. Der Workflow ist konsequent auf Geschwindigkeit ausgelegt: Ein LiDAR-Scan per Apple Pro-Gerät erfasst über 800 Datenpunkte pro Raum in rund 30 Sekunden, die KI analysiert die Geometrie automatisch und berechnet daraus die raumweise Heizlast nach DIN EN 12831. Neu ist die vollautomatische Heizkörpererkennung – Masse werden ohne manuelles Messen direkt in Heizlastberechnung und hydraulischen Abgleich übernommen. Der gesamte Workflow von der Datenerfassung über die Heizlastberechnung bis zum förderfähigen KfW-Report ist in unter 15 Minuten abgeschlossen. Für grössere oder komplexere Objekte, bei denen eine vollständige raumweise Heizlastberechnung mit detaillierter Bauteilerfassung erforderlich ist, empfehlen sich die unter Punkt 1–8 vorgestellten Desktop-Softwarelösungen.
Export aus der Software: Förderfähiger PDF-Report (KfW 458), Datenexport als Excel/CSV; alle Projektdaten werden in Echtzeit in die Cloud übertragen.
Übergabe in die Anlagensimulation: Heizlast (kW) und Jahres-Heizwärmebedarf (kWh/a) werden manuell übergeben. Da autarc typischerweise bei Einfamilienhäusern und kleineren Sanierungsprojekten eingesetzt wird, liegt die Heizlast meist unter 20 kW.
10. Win_HT (AAA EDV)
Website: https://www.aaaedv.ch/download/software/
Normkonformität: SIA 384/2, SIA 384.201, SIA 380/1, Minergie / Minergie-P, GEAK, SIA 387/4
Win_HT ist seit 1984 die etablierte Schweizer Heizungssoftware für kleine und mittlere Planungsbüros und Haustechnikbetriebe. Das Programm deckt den vollständigen Schweizer Nachweisweg ab – von der U-Wert-Berechnung und Dampfdiffusion über die Norm-Heizlast nach SIA 384/2 und SIA 384.201 bis zum Energienachweis nach SIA 380/1, Minergie-Nachweis und GEAK-Export. Neu unterstützt Win_HT die BIM-Datenübernahme via IFC und gbXML, was den Erfassungsaufwand bei Projekten mit bestehendem Architekturmodell erheblich reduziert. Die Pro-Version ergänzt die Basisberechnungen um die Auslegung von Fussbodenheizungen und Heizkörpern mit Herstellerdaten sowie den Druckabgleich am Verteiler.
Export aus der Software: Alle behördlich erforderlichen SIA-Formulare als PDF; alle Systemauslegungs-Formulare als Excel-Export; GEAK-Schnittstelle (aktuell R6.5.0); Stücklisten. Ein stündlicher Energieprofil-Export steht nicht zur Verfügung.
Übergabe in die Anlagensimulation: Die monatlichen Bedarfswerte aus der SIA 380/1-Bilanz lassen sich direkt als monatlicher Energiebedarf in die Anlagensimulation eingeben – analog zum Enerweb-Weg ein schlanker Übergabepfad ohne Jahreswert-Umrechnung. In Kombination mit der Heizlast (kW) aus SIA 384/2 erzeugt das Gradstunden-Modell ein belastbares Stundenprofil.
11. REHAU RAUCAD / RAUWIN
Website: https://www.rehau.com/ch-de/raucad
Normkonformität: DIN EN 12831, ÖNORM H 7500, SIA 384/2
RAUCAD / RAUWIN ist die einzige Software in dieser Übersicht, die von einem Systemhersteller stammt – und das prägt den Fokus: Die Heizlastberechnung ist bewusst als Einstieg in die vollständige Flächenheizungs- und Rohrnetzplanung mit REHAU-Produkten konzipiert. Aus einer PDF-, DWG- oder Bildvorlage wird in wenigen Schritten ein 3D-Gebäudemodell generiert, die Heizlast berechnet und die Flächenheizung direkt im CAD-Grundriss verlegt – inklusive automatischem hydraulischem Abgleich. Das optionale Kühllastmodul liefert aus der bereits berechneten Heizlast mit wenigen Zusatzeingaben Kühllastergebnisse nach VDI 2078. Die normübergreifende Unterstützung von DE, AT und CH macht RAUCAD besonders attraktiv für Installateure und Planungsbüros, die in mehreren Ländern tätig sind.
Export aus der Software: Normgerechter Heizlastnachweis als PDF; Materialauszug und Systemauslegungs-Ergebnisse als GAEB, Excel oder UGL/UGS; Planungsdaten als DWG; IFC-Export von Flächentemperierungssystemen. Ein stündlicher Energieprofil-Export steht nicht zur Verfügung.
Übergabe in die Anlagensimulation: Gesamtheizlast (kW) und Jahresbedarf (kWh/a) werden manuell übergeben. RAUCAD eignet sich besonders für Projekte, bei denen Fussbodenheizung und Rohrnetz im Vordergrund stehen und die Heizlast direkt in die Auslegung der Flächenheizung einfliesst.
12. Reonic
Website: https://reonic.com/de-de/blog/raumweise-heizlastberechnung/
Normkonformität: DIN EN 12831 (raumweise, förderfähig)
Reonic positioniert sich als umfassende All-in-One-Plattform für Heizungsinstallateure und Energieberater – mit dem Alleinstellungsmerkmal, dass Heizlast, hydraulischer Abgleich, Wärmepumpenauslegung, PV-Planung, Wirtschaftlichkeitsanalyse und Angebotserstellung in einer einzigen cloudbasierten Umgebung abgedeckt werden. Die Datenerfassung erfolgt per 3D-LiDAR-Scan auf iPhone oder iPad Pro in rund 15 Minuten; alternativ ist manuelle Dateneingabe im Browser-Portal möglich. Besonders bemerkenswert: Seit Juli 2025 ist die Kernfunktionalität – raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, hydraulischer Abgleich und KfW-Report – dauerhaft kostenlos nutzbar, mit bis zu vier Projekten pro Monat. Gegenüber autarc (Nr. 9) liegt der Unterschied im Plattformansatz: Reonic deckt zusätzlich PV-Planung, CRM und Projektmanagement ab und richtet sich damit stärker an Betriebe, die ihren gesamten Vertriebsprozess digitalisieren wollen.
Export aus der Software: Förderfähiger PDF-Bericht (KfW/BEG-konform), CSV-Export pro Raum; offene API-Schnittstellen für CRM-Anbindungen.
Übergabe in die Anlagensimulation: Gesamtheizlast (kW) und Jahres-Heizwärmebedarf (kWh/a) werden manuell übergeben. Reonic eignet sich primär für Einfamilienhäuser und kleinere Sanierungsprojekte, bei denen die Heizlast typischerweise unter 20 kW liegt.
13. EasyPlan 2025 (IMI)
Website: https://climatecontrol.imiplc.com/de-de/planungssoftware/easyplan
Normkonformität: DIN/TS 12831-1, GEG
EasyPlan ist – ähnlich wie RAUCAD – eine Herstellersoftware, die bewusst auf den eigenen Produktworkflow ausgerichtet ist: IMI Hydronic Engineering stellt das Tool kostenlos zur Verfügung, um SHK-Betriebe bei der Ventilauslegung, dem hydraulischen Abgleich und der raumweisen Heizlastberechnung zu unterstützen. Die Heizlast kann entweder raumweise nach DIN/TS 12831-1 berechnet oder – bei fehlenden Gebäudedaten – pauschal nach Baualtersklasse abgeschätzt werden. Das Tool ist auf Anlagen bis maximal 100 Heizkörper ausgelegt und damit klar im Segment der kleineren und mittleren Wohngebäude positioniert.
Export aus der Software: Normnachweis als PDF inklusive VdZ-Formularen für den Fördernachweis; CSV-Export der Berechnungswerte; Projektsicherung im proprietären Format.
Übergabe in die Anlagensimulation: Heizlast (kW) und Jahres-Heizwärmebedarf (kWh/a) werden manuell übergeben; Heizgradtage- oder Gradstunden-Modell erzeugen das stündliche Lastprofil.
Dynamische Gebäudesimulation als Ergänzung zur Heizlastberechnung
Eine statische Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 liefert einen Auslegungswert für den kältesten Tag. Wer das thermische Gebäudeverhalten stundengenau abbilden möchte, setzt auf die dynamische Gebäudesimulation.
1. IDA ICE (EQUA)
IDA Indoor Climate and Energy ist die führende dynamische Gebäudesimulation im DACH-Raum, validiert nach EN ISO 13790, EN 15265 sowie ASHRAE 140. Anders als die statischen Heizlastsoftwarelösungen in diesem Artikel simuliert IDA ICE das vollständige thermische Gebäudeverhalten stündlich über das gesamte Jahr – inklusive Zonen, Luftströme, HKLS-Anlagen, Verschattung und solarer Gewinne.
Dabei liefert IDA ICE zwei für die Anlagensimulation relevante Ausgaben: die Heizlast (kW) als dynamisch simulierten Auslegungswert für den kältesten Tag – realistischer als das statische DIN EN 12831-Verfahren, da thermische Speichermasse und reale Nutzungsprofile berücksichtigt werden – sowie den stündlichen Heizwärmebedarf (kWh/h) als ganzjähriges Lastprofil. Letzterer ist für die Anlagensimulation besonders wertvoll: Er bildet das reale Gebäudeverhalten Stunde für Stunde ab und ermöglicht damit eine präzisere Auslegung von Wärmepumpe und Pufferspeicher als jede Jahreswerteingabe.
Der Export erfolgt mittels Stundenwerten und kann direkt als Lastprofil in die Anlagensimulation importiert werden. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie hier.
2. EnergyPlus
EnergyPlus ist das Open-Source-Flaggschiff des U.S. Department of Energy. Anders als IDA ICE ist EnergyPlus kein eigenständiges GUI-Programm, sondern eine Berechnungs-Engine, die typischerweise über Frontends wie OpenStudio oder DesignBuilder bedient wird. Die Simulation berechnet ganzjährige Stundenwerte für Heizung, Kühlung, Warmwasser, Beleuchtung und Lüftung – zonenweise und für das Gesamtgebäude.
Der CSV-Export von EnergyPlus ist hochflexibel: Über sogenannte Report Variable Input-Dateien (RVI) lässt sich frei konfigurieren, welche Variablen in der Ausgabedatei erscheinen. Für die Anlagensimulation relevant ist primär der stündliche Heizwärmebedarf (kWh/h) pro Zone oder Gesamtgebäude – also die Energiemenge, die das Gebäude Stunde für Stunde benötigt, um die Solltemperatur zu halten. Dieser Output lässt sich direkt als stündliches Lastprofil in die Anlagensimulation importieren. Ein Hinweis für die Praxis: Das EnergyPlus-CSV-Format erfordert vor dem Import in der Regel eine manuelle Aufbereitung der Spaltenköpfe, da diese EnergyPlus-spezifisch strukturiert sind. Der Import in die Anlagesimulation am Beispiel von Polysun ist hier beschrieben.
3. Weitere Simulationstools
Neben IDA ICE und EnergyPlus liefern auch TRNSYS und DesignBuilder stündliche Heizwärmebedarfs- und Kühllastprofile für die Anlagensimulation. TRNSYS ist besonders in der Forschung und bei komplexen Anlagensystemen verbreitet und zeichnet sich durch seine offene, modulare Struktur aus – Gebäude, Heizungsanlage und Regelung lassen sich in einem Gesamtmodell abbilden. DesignBuilder ist das meistgenutzte grafische Frontend für EnergyPlus und vereinfacht die Modellerstellung erheblich; der Export erfolgt ebenfalls als stündliches CSV-Profil.
Von der Heizlastberechnung zur optimalen Anlagenauslegung
Die Heizlastberechnung beantwortet die Frage, welche maximale Leistung das Heizsystem am kältesten Tag bereitstellen muss. Damit ist jedoch erst die Hälfte der Planungsarbeit getan. Denn die Heizlast allein sagt noch nichts darüber aus, ob Wärmepumpe, Pufferspeicher und Hydraulik im Zusammenspiel über das gesamte Jahr effizient funktionieren – und genau hier setzt die Anlagensimulation an.
Wie dieser Artikel gezeigt hat, liefern die vorgestellten Softwarelösungen je nach Methode unterschiedlich präzise Eingangsgrössen: Online-Rechner und einfache Heizlastsoftware liefern Jahreswerte (kW und kWh/a), die über das Heizgradtage- oder Gradstunden-Modell in stündliche Lastprofile umgerechnet werden. Dynamische Gebäudesimulationen wie IDA ICE, Energy Plus, TRNSYS liefern den stündlichen Heizwärmebedarf (kWh/h) direkt – realistischer, weil thermische Speichermasse, Nutzungsprofile und solare Gewinne stündlich berücksichtigt werden. Je präziser das Eingangsprofil, desto belastbarer ist die Anlagensimulation.
Die Anlagensimulation selbst stellt sicher, dass alle Komponenten (Wärmepumpengröße, Pufferspeichergröße usw.) aufeinander abgestimmt sind und vergleicht verschiedene Steuerungstrategien und Anlagevarianten. In der Praxis zeigt sich dabei regelmässig: Eine auf Basis der Heizlastberechnung allein ausgelegtes Wärmepumpenystem ist häufig überdimensioniert – weil der ungünstigste Auslegungstag selten eintritt und solare sowie interne Gewinne die reale Last reduzieren. Dies reduziert die Wirtschaftlichkeit des Wärmepumpensystems. Erst die Anlagensimulation macht dieses Potenzial sichtbar und ermöglicht es, die installierte Nennleistung um bis zu 40 % zu reduzieren, Taktbetrieb zu vermeiden und Investitionskosten zu sparen.
Die drei Eingabewege in die Anlagensimulation
Je nach verfügbarer Datengrundlage stehen drei Wege zur Verfügung:
Die manuelle Eingabe der Jahreswerte Heizlast und Heizwärmebedarf eignet sich für alle in diesem Artikel vorgestellten Softwarelösungen, die klassische Norm-Heizlast nach DIN EN 12831 liefern. Jahres-Heizwärmebedarf (kWh/a) und Norm-Heizleistung (kW) werden in die Gebäude-Komponente eingegeben; das Heizgradtage- oder Gradstunden-Modell verteilt den Jahreswert auf Stundenwerte. Die Methode ist schnell, für Energie- und Wirtschaftlichkeitsanalysen ausreichend genau und deckt den Grossteil der TGA-Projekte ab.
Der Import stündlicher Profile ist der präzisere Weg und empfiehlt sich bei Projekten ab rund 50 kW oder bei Anlagen mit mehreren Wärmeerzeugern oder Quellen. Wer aus einer dynamischen Gebäudesimulation (IDA ICE, EnergyPlus, TRNSYS, DesignBuilder), einem Smartmeter oder einem Wärmezähler stündliche Werte hat, importiert diese direkt als CSV. Das reale Gebäudeverhalten wird damit Stunde für Stunde abgebildet – ohne Modellvereinfachungen. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie im FAQ-Artikel.
Die Eingabe historischer Verbrauchsdaten ist der realistischste Weg für Bestandsobjekte mit vorhandenen Heizölabrechnungen, Gasverbrauch oder Pelletslieferscheinen. Die Brennstoffmenge pro Jahr (Liter Heizöl, Kubikmeter Gas, Tonnen Pellets, kWh Fernwärme) wird direkt eingegeben und über den hinterlegten Heizwert sowie einen Kesselwirkungsgrad in Heizwärmebedarf umgerechnet. Besonders bei Sanierungsprojekten – etwa dem Ersatz eines alten Gaskessels durch eine Wärmepumpe – liefert dieser Weg eine belastbare Ausgangsbasis, die durch keine Berechnung ersetzt werden kann.
FAQ
Welche Gebäudesimulationssoftware lässt sich am besten mit Polysun koppeln?
IDA ICE und EnergyPlus sind die beiden etabliertesten Partner für eine dynamische Gebäudeseite + Polysun-Anlagensimulation. IDA ICE punktet mit einer DACH-konformen Validierung (EN ISO 13790, SIA 380/1-kompatibel) und komfortabler Benutzeroberfläche, EnergyPlus mit Open-Source-Verfügbarkeit und maximaler Flexibilität. Beide exportieren Jahresstundenprofile, die sich nach kleinen Format-Anpassungen direkt als CSV in Polysun einlesen lassen.
Wie genau ist eine Anlagensimulation in Polysun, wenn ich nur den Jahresheizwärmebedarf eingebe?
Die Polysun-Gradstundenmethode verteilt den Jahreswert über standortbezogene Klimadaten auf Stundenwerte. Für Energie- und Wirtschaftlichkeitsaussagen (Deckungsgrad, Betriebsstunden, Taktzyklen, Jahresarbeitszahl) ist die Genauigkeit für die meisten Projekte ausreichend.
Kann ich eine DIN EN 12831 Heizlastberechnung direkt in Polysun durchführen?
Nein. Polysun ist eine Anlagensimulation, keine Heizlastsoftware. Die Norm-Heizlast wird mit dedizierten Werkzeugen wie Hottgenroth, Solar-Computer, Reonic, autarc oder liNear (BIM) berechnet. Polysun übernimmt die Heizlast als Eingangsgrösse und berechnet den Jahresverlauf über die Heizgradtage-Methode oder importierte Lastprofile.
Welche Dateiformate unterstützt Polysun für den Import von Lastprofilen?
Polysun liest CSV-Dateien mit Punkt als Dezimaltrenner und Semikolon als Spaltentrenner. Die erste Spalte enthält den Zeitstempel in Sekunden ab Jahresbeginn, die zweite den Energiewert in kWh (oder Leistung in kW, je nach Vorlage). Unterstützt werden Zeitauflösungen von 1 Minute bis 1 Stunde. Für ein volles Jahr ergibt das bei 15-Minuten-Auflösung 35040 Zeilen, bei Stundenauflösung 8760 Zeilen.