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Übersicht Software-Lösungen für die kommunale Wärmeplanung

Simulation Wärmenetz mit der Software kommunalen Wärmeplanung Polysun

Die kommunale Wärmeplanung spielt eine entscheidende Rolle in der Energiewende. Kommunen müssen langfristige Strategien zur klimafreundlichen Wärmeversorgung entwickeln, um fossile Brennstoffe zu ersetzen und erneuerbare Energien optimal zu nutzen.

Früher wurde die Wärmeplanung oft mit statischen Karten und Tabellen durchgeführt. Doch angesichts der wachsenden Anforderungen und der Komplexität moderner Energiesysteme stoßen herkömmliche Methoden schnell an ihre Grenzen. Eine fundierte Planung erfordert detaillierte Analysen, Simulationen und eine Vielzahl von Datenquellen.

Unterdessen gibt es verschiedene spezialisierte Software-Lösungen für die kommunale Wärmeplanung. Sie unterstützten Städte, Gemeinden und Energieversorger dabei, individuelle und nachhaltige Wärmeversorgungskonzepte zu entwickeln. Die Software-Lösungen ermöglichen eine präzise, datenbasierte Analyse und Simulation verschiedener Wärmeversorgungsszenarien. So lassen sich optimale Entscheidungen für eine nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Wärmeversorgung treffen.

Welche Kategorien von kommunale Wärmeplanung Software gibt es?

Die Software-Lösungen für die kommunale Wärmeplanung können in verschiedene Kategorien unterteilt werden:

  • GIS-basierte Software: Diese Systeme visualisieren Geodaten und helfen, Standorte für Wärmequellen oder Netze zu identifizieren.
  • Simulationssoftware: Erlaubt die Berechnung von Energieflüssen und die Bewertung unterschiedlicher Szenarien (z.B. Klimaszenarien, erweiterte Verbräuche).
  • Planungs- und Optimierungssoftware: Diese Lösungen helfen, konkrete Strategien zu entwickeln und Investitionsentscheidungen zu treffen.
  • Datenplattformen: Bereitstellen von Energiedaten, um kommunale Wärmeplanungen mit aktuellen Informationen zu unterlegen.

Vorteile einer Simulationssoftware für die kommunale Wärmeplanung

Simulationen helfen, verschiedene Szenarien durchzuspielen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Sie ermöglichen es, den Wärmebedarf von Quartieren realistisch abzubilden, vorhandene und potenzielle Energiequellen zu analysieren und die Wirtschaftlichkeit verschiedener Versorgungslösungen zu bewerten. So können Kommunen langfristig tragfähige und nachhaltige Wärmeversorgungskonzepte entwickeln. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag im Magazin für Kommunales Management.

Eine Software-Lösung für die kommunale Wärmeplanung hat die folgenden Vorteile:

  1. Optimierte Energieversorgung: Die Software ermöglicht den Vergleich verschiedener Energiequellen wie Fernwärme, Wärmepumpen, Solarthermie oder Biomasse.
  2. Kostenreduktion: Durch Simulationen können ineffiziente Investitionen vermieden und langfristig wirtschaftliche Lösungen gefunden werden.
  3. CO₂-Einsparung: Eine gezielte Analyse zeigt auf, welche Maßnahmen zur Reduktion von Emissionen beitragen.
  4. Zukunftssicherheit: Durch die Berücksichtigung verschiedener Szenarien können Städte resilienter auf zukünftige Energiepreise und politische Vorgaben reagieren.
  5. Transparenz & Entscheidungsgrundlage: Kommunen erhalten fundierte Daten, die eine faktenbasierte Entscheidung ermöglichen.

Vergleich Software-Lösungen kommunale Wärmeplanung

Im folgenden Abschnitt ist eine Auswahl von Softwaretools zur kommunalen Wärmeplanung mit deren Vor- und Nachteilen aufgeführt.

Polysun

Anbieter: Vela Solaris AG, Stadthausstrasse 125, CH-8400 Winterthur, Schweiz

Polysun ist eine leistungsstarke Simulationssoftware, die Kommunen hilft, verschiedene Wärmeversorgungsszenarien zu analysieren. Sie ermöglicht die Modellierung von Energieflüssen in Nah- und Fernwärmenetzen sowie die Integration erneuerbarer Energiequellen.

TypSimulationssoftware
Pro
  • Detaillierte Simulation von Wärmeversorgungssysteme
  • Umfassende Analyse von Potenzialen für PV, Solarthermie und andere erneuerbare Energien
  • Umfassende Datenintegration
  • Einfache Bedienung
  • Flexible Anpassung an individuelle Projektanforderungen
  • Neue Technologien wie Abwasserwärmetauscher
  • Cons
  • Erfordert Einarbeitung und technisches Know-how
  • Hohe Rechenleistung erforderlich für komplexe Simulationen
  • Greenventory

    Anbieter: Greenventory GmbH, Georges-Köhler-Allee 10, 79110 Freiburg, Deutschland

    Greenventory kombiniert Geoinformationssysteme mit Energiedatenanalysen, um Kommunen eine visuelle Planung ihrer Wärmeversorgung zu ermöglichen.

    TypGIS-gestützte Analyse- und Planungssoftware
    Pro
  • Hochdetaillierte Kartenansichten für Wärmeinfrastruktur
  • Kombination von Echtzeit- und historischen Daten
  • Ideal für die strategische Wärmeplanung
  • Cons
  • Begrenzte Simulationsmöglichkeiten im Vergleich zu spezialisierten Tools
  • Erfordert fundierte GIS-Kenntnisse
  • INFRA

    Anbieter: LBD-Beratungsgesellschaft mbH, Mollstraße 32, 10249 Berlin

    INFRA ist eine Software für die Wärmeplanung nach WPG für Fachplaner, Berater, Versorger, Netzbetreiber und Kommunen inkl. integriertem Netzplaner für die Analyse von Wärmenetzen. Mithilfe geodatenbasierter Algorithmik in Form eines digitalen Zwillings werden belastbare Entscheidungsgrundlagen für Investitionen und Umsetzungsstrategien geschaffen – verortet bis auf Gebäudeebene.

    TypPlanungs- und Optimierungssoftware
    Pro
  • Kommunale Wärmeplanung nach WPG und nahtloser Übergang zur detaillierten Analyse von Wärmenetzen mit einem Netzprojektplaner
  • Über 100 amtliche Datensätze integriert
  • Intelligente algorithmische Berechnungen auf Basis energiewirtschaftlich fundierter Prämissen
  • Einfaches Datenmanagement & individuelle Szenarien
  • Transparenz statt Blackbox – umfassende Dokumentation inklusive
  • Cons
  • Expertentool – erfordert Einarbeitung
  • kostenpflichtiges Lizenzmodell
  • Hotmaps Toolbox

    Anbieter: EU-Projekt

    Das webbasierte Tool HOTMAPS quantifiziert und visualisiert Energiebedarfe, berechnet die Wirtschaftlichkeit von Wärmenetzen und analysiert die Entwicklung des Energieverbrauchs sowie erneuerbarer Energien

    TypGIS-gestützte Analyse- und Planungssoftware
    Pro
  • Open-Source und kostenlos verfügbar
  • Ermöglicht Analyse von Wärmeverbrauch und Potenzialen
  • Umfangreiche Kartendarstellung
  • Cons
  • Begrenzte Funktionalität im Vergleich zu kommerziellen Lösungen
  • Keine individuelle Anpassung von Datenmodellen
  • ENEKA.Energieplanung

    Anbieter: ENEKA GmbH, Deutschland

    Das GIS-Tool ENEKA.Energieplanung unterstützt die räumliche Analyse und Planung von Energieinfrastrukturen. Es ermöglicht die Ermittlung von Energiebedarfen, Potenzialen erneuerbarer Energien und die Optimierung von Wärmenetzen

    TypGIS-gestützte Energieplanungssoftware
    Pro
  • Starke Fokussierung auf kommunale Wärmeplanung
  • Einfache Integration vorhandener Geodaten
  • Gute Skalierbarkeit für verschiedene Projektgrößen
  • Cons
  • Eingeschränkte Funktionalität bei detaillierten Simulationen
  • Gaia

    Abieter: enersiseurope GmbH, Schweiz

    Das GIS-Tool Gaia visualisiert und analysiert Energie- und Klimadaten. Es unterstützt Städte und Energieversorger bei der Planung von Dekarbonisierungsstrategien, der Optimierung von Energienetzen und der Identifikation von Einsparpotenzialen.

    TypGIS-gestützte Software zur Visualisierung von Energieflüssen
    Pro
  • Starke Visualisierung und interaktive Dashboards
  • Einfache Handhabung und intuitives Design
  • Skalierbare Lösung für Kommunen und Energieversorger
  • Cons
  • Keine tiefgehenden Simulationsmöglichkeiten
  • Hohe Abhängigkeit von vorhandenen Datenquellen
  • Lizenzkosten können hoch sein
  • SOPHENA

    Anbieter: C.A.R.M.E.N. e.V., Deutschland

    Sophena ist eine kostenfreie Open-Source-Software zur technischen und wirtschaftlichen Planung von Heizwerken und Nah- bzw. Fernwärmenetzen. Die Software richtet sich insbesondere an Kommunen, Energieberater und Planungsbüros.
    Der Fokus liegt auf der Auslegung von Wärmeerzeugern, der Wirtschaftlichkeitsbewertung und der Emissionsbilanzierung.

    TypSimulationssoftware
    Pro
  • Open-Source und kostenfrei nutzbar
  • Abbildung verschiedener Wärmeerzeugungstechnologien (z. B. Kessel, KWK, Wärmepumpen, Solarthermie)
  • CO₂-Bilanzierung und energetische Kennzahlen
  • Cons
  • Komplexe Bedienung erfordert Schulung und Fachwissen
  • Abhängig von einer detaillierten Datenbasis für präzise Ergebnisse
  • Leitfäden zur kommunalen Wärmeplanung

    Verschiedene Bundesländer und Institutionen haben Leitfäden zur kommunalen Wärmeplanung entwickelt, um Städten und Gemeinden den Einstieg in dieses komplexe Thema zu erleichtern. Untenstehend sind einige Beispiele aufgeführt.

    Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz
    Das Ministerium hat einen umfassenden Leitfaden zur kommunalen Wärmeplanung veröffentlicht. Dieser bietet praktische Arbeitshilfen und konkrete Beispiele aus niedersächsischen Kommunen, wie etwa die Umsetzung von Energieeffizienzstandards in Neubaugebieten der Gemeinde Cremlingen.

    Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg
    In Baden-Württemberg wurde ein detaillierter Leitfaden zur kommunalen Wärmeplanung erstellt. Er beschreibt die vier Hauptelemente eines Wärmeplans: Bestandsanalyse, Potenzialanalyse, Zielszenario und Wärmewendestrategie. Der Leitfaden entstand in Zusammenarbeit mit Pilotstädten wie Baden-Baden, Bruchsal und Freiburg.

    Energieagentur NRW
    Die Energieagentur Nordrhein-Westfalen hat einen praxisorientierten Leitfaden entwickelt, der Kommunen durch den gesamten Prozess der Wärmeplanung führt. Er enthält Informationen zur Bestandsanalyse, Potenzialermittlung und Entwicklung von Handlungsstrategien.

    Für eine anschauliche Erklärung der kommunalen Wärmeplanung bietet sich der Erklärfilm „Wie funktioniert die Kommunale Wärmeplanung?“ an. Dieses Video des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende zeigt die wichtigsten Phasen der Wärmeplanung – von der Bestandsanalyse bis zur Umsetzung – auf verständliche Weise:

    Diese Leitfäden und das ergänzende Video bieten wertvolle Orientierung für Kommunen, die eine zukunftsfähige und klimaneutrale Wärmeversorgung anstreben.


    Ja, beispielsweise mit Polysun:

    • Stadt Aalen entwickelte mit Polysun ein regeneratives Wärmenetz für den Stadtkern.
    • Landkreis Lörrach simulierte Versorgungsoptionen für 30 Ortsteile und integrierte Förderstrategien.
    • Gemeinde Hohenstadt nutzte Polysun für eine dezentrale Wärmeversorgung mit Biomasse und Solarthermie.

     

    Ja! Polysun ist modular aufgebaut und lässt sich flexibel an die Größe Ihrer Kommune anpassen.

    Ja, denn im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung werden auch konkrete Umsetzungsempfehlungen für die Versorgungslösung von Quartieren gegeben (vgl. §19 und §20 des Wärmeplanungsgesetzes). Polysun kann im Rahmen dieses Prozesses verwendet werden, um herauszufinden, welches Versorgungskonzept für ein Quartier ideal ist und welche Potenziale (PV, Solarthermie, etc.) in welchem Umfang genutzt werden können, um die Bedarfe eines Quartiers zu decken.

    Die Auswahl der richtigen Software hängt von den spezifischen Anforderungen einer Kommune ab. Während GIS-basierte Tools eine gute visuelle Darstellung ermöglichen, bieten Simulationssoftware wie Polysun eine detaillierte Analyse verschiedener Versorgungskonzepte. Andere Softwarelösungen wie Greenventory oder Infra|Wärme können ebenfalls wertvolle Unterstützung bieten.

    Kommunen sollten bei der Auswahl einer Software folgende Faktoren beachten:

    • Datenintegration: Welche Datenformate und Quellen lassen sich einbinden?
    • Simulationsmöglichkeiten: Welche Energiequellen und -verbraucher können modelliert werden?
    • Benutzerfreundlichkeit: Ist die Software intuitiv bedienbar oder erfordert sie umfangreiche Schulungen?
    • Kosten: Gibt es Lizenzgebühren oder handelt es sich um Open-Source-Lösungen?
    • Skalierbarkeit: Ist die Software für verschiedene Planungsgrößen anwendbar?

    Ja, in vielen Ländern gibt es Förderprogramme für die Erstellung kommunaler Wärmepläne. Diese können oft auch Softwarelizenzen oder Beratungsleistungen abdecken. Es empfiehlt sich, die aktuellen Förderprogramme der jeweiligen Bundesländer oder der Bundesregierung zu prüfen.

    Mit dem Wärmeplanungsgesetz werden bundesweite Vorgaben zur Erstellung kommunaler Wärmepläne definiert. Hierzu gehören insbesondere die Ermittlung des Wärmebedarfs, die Identifikation geeigneter Wärmequellen und die Entwicklung einer Strategie zur Umstellung auf erneuerbare Energien. Software kann dabei helfen, diese Anforderungen effizient umzusetzen.

    Quelle:

    https://www.kommunaldirekt.de/kommunale-waermeplanung-mit-simulation-problemlos-bewaeltigen/