Hochtemperatur Wärmepumpe

Hochtemperatur-Wärmepumpe – Anleitung für Polysun

Hochtemperatur-Wärmepumpen gewinnen in der modernen Energietechnik zunehmend an Bedeutung. Dies gilt einerseits für die Modernisierung von Bestandsbauten mit hohen Vorlauftemperaturen. Andererseits spielen sie eine Schlüsselrolle bei industriellen Prozesswärmeanwendungen.

Dieser Artikel beschreibt die Simulation einer HT-Wärmepumpe im Polysun. Als technische Grundlage dient hierfür ein erweitertes CSV-Profil. Im Vergleich zum Standardmodell berücksichtigt dieses Profil die Temperaturdifferenzen an Verdampfer und Kondensator explizit. Dadurch interpoliert die Software die Leistungsdaten noch genauer. Folglich lässt sich das reale Betriebsverhalten der Anlage exakt abbilden.

Modellierung der Wärmepumpe

Um das thermodynamische Verhalten der HT-Wärmepumpe bis 144 °C über den gesamten Einsatzbereich präzise darzustellen, sind vier Einflussgrößen entscheidend:

  • Verdampfertemperatur ( \(T_V\) ): Diese entspricht der Temperatur der gewählten Wärmequelle (wie Grundwasser, Sole oder Außenluft).
  • Kondensatoraustrittstemperatur ( \(T_K\) ): Dies ist die Vorlauftemperatur des Heizsystems. Bei HT-Wärmepumpen liegt dieser Wert typischerweise deutlich über 55 °C.
  • Temperaturdifferenz am Verdampfer ( ΔV ): Sie beschreibt die thermische Spreizung zwischen Eintritt und Austritt auf der Quellenseite.
  • Temperaturdifferenz am Kondensator ( ΔK ): Diese Kennzahl definiert die Spreizung zwischen Eintritt und Austritt auf der Senkenseite (Heizkreis).

Hochtemperatur-Wärmepumpe: Erweiterung des Standardmodells

Die individuelle Berücksichtigung von Temperaturdifferenzen stellt eine wichtige Erweiterung der softwarebasierten Wärmepumpenmodellierung dar. Sie ermöglicht Planern eine weitaus präzisere Bestimmung der Arbeitspunkte. Dies ist besonders bei variablen Volumenströmen oder stark schwankenden Spreizungen von großem Vorteil.

Standardmodell

Im Standardmodell rechnet die Software mit fest hinterlegten, nicht editierbaren Temperaturdifferenzen. Daher ist eine flexible Anpassung an abweichende Betriebsbedingungen nur sehr eingeschränkt möglich.

Einstellbare Temperaturdifferenzen bei HT-Systemen

Hierbei handelt es sich um eine funktionale Erweiterung des bisherigen Modells. Anwender aktivieren diese Funktion einfach durch das Hinterlegen eines erweiterten CSV-Profils. Dadurch ergänzt Polysun die Standardfunktionalität um frei definierbare Temperaturdifferenzen.

Je nach gewähltem Wärmepumpentyp stehen Ihnen folgende Einstellmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Sole/Wasser- und Wasser/Wasser-Wärmepumpen:
    • ΔV (Verdampferseite): Temperaturdifferenz am Verdampfer einstellbar
    • ΔK (Kondensatorseite): Temperaturdifferenz am Kondensator einstellbar
  • Luft/Wasser-Wärmepumpen:
    • ΔK (Kondensatorseite): Temperaturdifferenz am Kondensator einstellbar
    • Die Spalte für das Verdampfer-Delta (ΔV) entfällt im Profil, da die Verdampferseite durch die Außenlufttemperatur bestimmt wird und keine primärseitige Spreizung definiert werden soll.

Hinweis: Die erweiterte Modellierung empfiehlt sich insbesondere für Anlagen, die außerhalb der Standard-Auslegungspunkte betrieben werden, etwa mit stark schwankenden Volumenströmen oder bei detaillierten Effizienzanalysen auf Basis realer Betriebsdaten.

CSV-Profil für HT-Wärmepumpen

Analog zu anderen modulierbaren Wärmepumpentypen definieren Sie die Stützstellen in einer Profil-Datei. Das CSV-Profil für Hochtemperatur-Wärmepumpen enthält jedoch zwei zusätzliche Spalten für die Temperaturdifferenzen.

Die vollständige CSV-Syntax lautet:

#Leistungstufe[0-1];Verdampfer[°C];Kondensator[°C];Delta_V[K];Delta_K[K];HeizLeistung[W];ELeistung[W]

SpaltennameBedeutungWertebereich / Hinweise
LeistungstufeTeillastverhältnis0 = aus, 1 = Volllast
VerdampferEintrittstemperatur auf der Quellenseite in °Cz. B. Grundwassertemperatur
KondensatorAustrittstemperatur auf der Senkenseite (Vorlauf) in °Ctypische HT-Bereiche: 70–100 °C
Delta_VTemperaturdifferenz am Verdampfer in KelvinSpreizung Quelle (Eintritt – Austritt)
Delta_KTemperaturdifferenz am Kondensator in KelvinSpreizung Senke (Rücklauf – Vorlauf)
HeizLeistungAbgegebene thermische Leistung in Wattpositive Zahlen
ELeistungElektrische Leistungsaufnahme des Verdichters in Wattpositive Zahlen

Beispieleinträge für eine Wasser/Wasser-Hochtemperatur-Wärmepumpe

#Name der Wärmepumpe;;;;
#Leistungstufe[0-1];#Verdampfer[°C];Kondensator[°C];Delta_V[K];Delta_K[K];HeizLeistung[W];ELeistung[W]

0.2;-20;35;3.0;5.0;8024.2;3040.1
0.3;-15;55;2.5;4.8;12500.0;4960.0
0.6;0;70;2.0;6.0;21000.0;9100.0
1.0;5;80;1.8;7.2;35000.0;16500.0
...

Beispieleinträge für eine Luft/Wasser-Hochtemperatur-Wärmepumpe

#Name der Wärmepumpe;;;;
#Leistungstufe[0-1];#Verdampfer[°C];Kondensator[°C];Delta_K[K];HeizLeistung[W];ELeistung[W];

0.25;-20;35;5.0;4687.5;1521.2
0.5;-20;35;5.0;9375.0;3042.3
0.75;-20;35;5.0;14062.5;4563.5
1.0;-20;35;5.0;18750.0;6084.7
...

Hinweise zur Berechnung und Simulation

Für eine fehlerfreie Simulation im Polysun Designer müssen Sie drei physikalische Grundregeln beachten:

  • Wärmequellentemperatur: Die Verdampfertemperatur muss aus thermodynamischen Gründen stets unterhalb der Kondensatortemperatur liegen.
  • Temperaturdifferenzen: Größere Spreizungen führen in der Praxis meist zu einem niedrigeren COP (Coefficient of Performance). Polysun berücksichtigt diesen Effekt präzise über die hinterlegten Werte im Profil.
  • Fehlende Stützstellen: Sie müssen nicht für jeden erdenklichen Betriebspunkt eigene Stützstellen definieren. Das mathematische Interpolationsverfahren der Software arbeitet verlässlich mit den verfügbaren Daten. Bedenken Sie jedoch, dass die Genauigkeit mit jeder fehlenden Stützstelle leicht abnimmt.

Vorlagen für die Auslegung von Hochtemperatur-Wärmepumpen

In Polysun sind die folgenden Planungsvorlagen-Schemata für Hochtemperaturwärmepumpen vorhanden. Sie lassen sich erweitern und bearbeiten, wodurch sich die Dimensionierung der Wärmepumpe genau berechnen lässt.

61a: Luft-Wasser-Hochtemperaturwärmepumpe im Bestand

Hydraulisches Schema einer 125 kW Hochtemperatur-Wärmepumpe für den Altbau (Mehrfamilienhaus) mit zwei Pufferspeichern, Heizkörpern und PV-Anlage.
Praxisbeispiel für ein Sanierungskonzept: Hydraulisches Schema einer 125 kW Hochtemperatur-Wärmepumpe im Altbau-Mehrfamilienhaus. Das System trennt die Warmwasserbereitung (3.000l Puffer mit Frischwasserstation bei 60 °C) strikt vom Heizkreis (4.000l Puffer für Radiatoren).

61b: Industrieprozess mit Hochtemperaturwärmepumpe

Hydraulisches Schema einer 200 kW Hochtemperatur-Großwärmepumpe für die Industrie mit einem 100.000 Liter Pufferspeicher und Prozesswärme-Bereitstellung bei 84 °C.

61c: Hochtemperiertes Nahwärmenetz mit BHKW und Hochtemperaturwärmepumpe

Hydraulisches Schema für ein Nahwärmenetz mit Wärmepumpe (200 kW), 50.000-Liter-Zentralspeicher und Abwärmenutzung aus einem Rechenzentrum zur Quartiersversorgung.

61d: Parallele Hochtemperaturwärmepumpen für Prozesswärme

Hydraulisches Schema für parallele Hochtemperaturwärmepumpen zur Bereitstellung industrieller Prozesswärme mit Spitzenlast-Gaskessel und einem 4x4000l Pufferspeicher.

Weitere Planungschemata für die Auslegung von Wärmepumpen mit Pufferspeicher finden Sie entweder in unserer Software oder in diesem Blogartikel, in dem sechs bewährte hydraulische Schemata dargestellt und erläutert werden.