Wetterdaten und Standortdaten

Wetterdaten und Standortdaten einer Anlage festlegen

Einer der ersten Schritte beim Aufsetzen des Projekts ist die Auswahl der Wetterdaten. In Polysun können die Wetterdaten für den jeweiligen Ort direkt vom Meteonorm-Webservice geladen werden. Zudem ermöglicht Polysun das Einlesen meteorologischer Daten aus externen Monatswerten und aus einer Profildatei.

Das Dialogfenster zur Auswahl der Wetterdaten öffnet sich im Projektfenster oben links unter „Standort der Anlage“. Es gibt fünf Auswahlmöglichkeiten für die Wetterdaten.

  • Webservice (empfohlen, sofern eine Internetverbindung besteht) — Meteonorm Version 9
  • Aus Standort (gemäss Meteonorm-Version 8) — offline, nur für Standorte aus der Liste
  • Aus Standort (1 h, gemäss Meteonorm-Version 6) und Aus Standort (1 min, gemäss Meteonorm-Version 6) — offline, ältere Datenbasis
  • Profil — eigene bzw. gemessene Wetterdaten aus einer CSV-Datei
  • Externe Monatswerte — aus Monatswerten berechnete Stundenwerte

Welche Option die richtige ist, hängt in erster Linie davon ab, ob eine Internetverbindung verfügbar ist. Die folgenden Abschnitte erklären die einzelnen Möglichkeiten im Detail.

Video: Standort und Wetterdaten

Empfohlener Webservice (Meteonorm 9)

Wenn eine Internetverbindung verfügbar ist, ist die Option „Webservice” die empfohlene Wahl, da darüber die aktuellsten Wetterdaten erhältlich sind. Sie steht unabhängig davon zur Verfügung, ob der Standort über die Karte oder aus der Liste ausgewählt wird. Der Webservice verwendet Meteonorm Version 9 und ruft die Wetterdaten direkt von der Meteonorm-Webseite ab.

  • Die Referenzperiode von Meteonorm 9 umfasst die Jahre 2001 bis 2020 und bezieht sich auf die Einstrahlung, die Temperatur sowie die übrigen meteorologischen Parameter.

Genauere Informationen sind auf der Meteonorm-Webseite verfügbar.

Offline-Wetterdaten (ohne Internetverbindung)

Wenn keine Internetverbindung zur Verfügung steht, können weiterhin Wetterdaten verwendet werden. Der Standort kann dabei sowohl über die Karte als auch aus der Liste ausgewählt werden.

Meteonorm 8 (offline)

Die Option „Standort” (gemäß Meteonorm-Version 8) nutzt die offline gespeicherten Wetterdaten von Meteonorm 8. Die zugrunde liegenden Referenzperioden sind:

  • Einstrahlungsparameter: 1996–2015
  • Temperatur, Taupunkttemperatur, Wind, Niederschlag: 2000–2019

Diese Option steht nur für Standorte zur Verfügung, die aus der Liste ausgewählt werden, jedoch nicht für die Kartenauswahl.

Wichtig: Sind die Meteonorm-8-Daten bei Ihnen ausgegraut? Bei der Standardinstallation von Polysun werden keine Meteonorm-8-Wetterdaten installiert. Um Zugriff auf die Meteonorm-8-Offline-Wetterdaten zu erhalten, müssen Sie Polysun neu installieren und die gewünschte Region auswählen.

Meteonorm 6 (offline, ältere Daten)

Über die Auswahlmöglichkeiten „Aus Standort (1 h, gemäss Meteonorm-Version 6)” oder „Aus Standort (1 min, gemäs Meteonorm-Version 6)” können Wetterdaten für den gewählten Ort definiert werden. Dabei stehen eine zeitliche Auflösung von einer Stunde oder einer Minute zur Verfügung.

Die zugrunde liegenden Wetterdaten stammen aus dem Zeitraum von 1986 bis 2005.

  • Die Einstrahlungsparameter aus 1986–2005
  • Die restlichen Parameter aus dem Zeitraum 1996–2005.

Empfohlen werden Meteonorm Version 8 bzw. der Webservice (Version 9), da sie aktuellere Daten bieten. Version 6 bleibt weiterhin verfügbar, um die Abwärtskompatibilität mit älteren Projekten zu gewährleisten.

Wetterdaten mit einem Profil einlesen

Über die Option „Profil“ lassen sich eigene Wetterdaten aus einer CSV-Datei importieren, zum Beispiel tatsächlich am Standort gemessene Werte. Die CSV-Datei muss die folgenden Wetterdaten als Spalten enthalten:

Gh     Globalstrahlung [Wh/m2]

Dh      Diffusstrahlung [Wh/m2]

Lh      Langwellenstrahlung [Wh/m2]

Tamb  Umgebungstemperatur [°C]

Vwnd  Wind [m/s]

Hrel    Luftfeuchtigkeit [%]

Eines der angebotenen Profile kann ausgewählt werden. Zu beachten ist, dass anschließend der Standort der Anlage (unter „Standort der Anlage“) ggf. an den Standort des importierten Datensatzes angepasst werden muss, da die Software die Sonnenbahn hieraus berechnet.

Eines der angebotenen meteorologischen Datenprofile kann auch über die Kopieren-Schaltfläche unter einem neuen Namen gespeichert, geöffnet und anschliessend mit den tatsächlich verfügbaren Messwerten angepasst werden.

Wetterdaten mit Monatswerten einlesen

Mit der Option „Externe Monatswerte“ können die importierten Monatswerte geändert werden. Entscheiden Sie sich für diese Option, werden die Stundenwerte mittels des in der Software enthaltenen Meteonorm-Verfahrens aus den Monatswerten errechnet.

Horizont und Verschattung

Um die Berechnung des Energieertrags einer PV- oder Solarthermie-Anlage möglichst genau zu machen, müssen mögliche Hindernisse wie benachbarte Häuser, Bäume, Berge etc. berücksichtigt werden. Diese Hindernisse beeinträchtigen den Ertrag der Anlage besonders im Winter, weil die Sonne dann tiefer steht. Deshalb ermöglicht es die Software, auch den 21. Dezember jedes Jahres — den kürzesten Tag auf der Nordhalbkugel — zur Verschattungsberechnung als „Worst-Case-Szenario“ heranzuziehen.

Das Profil des Horizonts kann ebenso wie benachbarte Hindernisse und Eigenverschattungen mit dem „Horizont Editor“ simuliert werden, der die umgebende Topografie berücksichtigt. Die Objekte werden mit Entfernung und Höhe erfasst. Die Ausmasse der Objekte werden dann auf der Horizont-Linie dargestellt, was eine grössere Präzision der Standortdaten und der Ertragsberechnung ermöglicht.

Um den Horizont der Anlage zu definieren, wird im Projektfenster oben links auf „Standort der Anlage“ und dann unter „Horizont“ auf die „Bearbeiten“-Schaltfläche geklickt. Der sich daraufhin öffnende Horizont-Editor ist in vier Teile aufgeteilt. In der oberen linken Ecke befindet sich eine Horizont-Linie, die durch eine rote Linie abgebildet wird, sowie die Sonnenbahn, dargestellt durch eine gelbe Linie. Durch Verschieben der Regler im oberen rechten Feld kann die Sonnenbahn an einzelnen Tagen und der Sonnenstand zu bestimmten Stunden eingestellt werden. Über die Maske im unteren linken Feld können Hindernisse und Eigenverschattungen eingegeben werden. Über die Schaltfläche „Hindernisse“ können Gebäude oder andere abschattende Objekte in der Nähe der PV-Module oder Sonnenkollektoren eingegeben werden. Auch bereits bestehende Horizont-Daten können im Feld ganz unten rechts importiert werden, etwa von Meteonorm der Horizont des gewählten Standorts. Zusätzlich können neue abschattende Objekte über die Hindernis-Schaltfläche mit Entfernung, Höhe und Azimut-Winkel eingegeben werden. Über die Schaltfläche Eigenverschattungen kann die genaue Aufstellung der PV-Module oder Solarkollektoren angegeben werden. Dazu werden der Abstand zwischen den Reihen, der Neigungswinkel und die Eigenverschattung eingegeben, welche die Schatten verursacht. Die Eigenverschattung hängt von der Abweichung der Dachausrichtung von der Südrichtung ab (a), der Entfernung der Reihen voneinander (d), dem Neigungsgrad (α) und der Höhe der Solarkollektoren oder PV-Module, die die Eigenverschattung verursachen (w).

Mit einem Klick auf „Hinzufügen“ wird das jeweilige Hindernis oder die Eigenverschattung zur Horizontlinie ergänzt. Durch manuelles Verstellen der Azimut- und Neigungswinkel im unteren rechten Fenster kann das Horizont-Profil zusätzlich modifiziert werden. Mit einem Klick auf „Zurücksetzen“ ganz unten rechts werden alle Änderungen wieder zurückgenommen.

Das Horizont-Profil kann auch aus einer Datei importiert werden, die möglicherweise aus anderen Programmen generiert werden kann.

Video: Horzontlinie und Nahverschattung